Kommunikation durch Farben

Im Geheimen sind sie am Werk, die Farben und doch sind sie das größte Kommunikationsnetzwerk der Erde. Sie sind die Kostüme von so vielen Lebewesen der in der Natur, Pflanze wie Tier.

Schon von je her haben Farben eine wichtige Rolle in unserer Geschichte geschrieben, in der Steinzeit, im alten Ägypten bei den Pharaonen, in den Königshäusern – einfach in jeder Epoche schrieben sie Geschichte mit. Die Farben sind wie ein Gewürz unseres Lebens, begleiten uns und machen unseren Planeten so wunderbar vielfältig. Jede Jahreszeit und Region hat ihr eigenes Licht, ihre eigenen Farben und lassen selbst auf Fotos erahnen, von wo sie stammen.


Lässt es sich nicht auch gut ohne Farben leben?


Wofür brauchen wir sie – schwarz-weiß wirkt doch auch? 1671 macht sich einer von vielen Wissenschaftlern an diese und ähnliche Fragen. Damals war ein schöner Sonnenauf- oder Untergang, die Nordlichter und der Regenbogen noch etwas, was Gott gegeben war. Doch Isaac Newton (*25.12.1642 – † 20.03.1726 – engl. Naturforscher) entdeckte bei seinen Forschungen mit einem Glasprisma, dass Farben durch die Brechung von weißem Licht aufgeteilt werden können und die unterschiedlichen Lichtwellen von Gegenständen geschluckt oder reflektieren werden.

 

 


Intuition – Farben sind Botschaften an unser Unterbewusstsein


Grün 

100.000 Jahre vor uns haben unsere Vorfahren bereits begeistert mit Farbe gearbeitet und damit sich ausgedrückt. Viele Völker schminken sich bis heute intensiv, tragen farbenfrohen Schmuck und Bekleidung. Welcher Gruppe gehören wir an, zu welchem Klan, Fangemeinschaft oder Sippe? Wir arbeiten bis heute mit diesen Kennzeichen.

Mit am wichtigsten in unserer Entwicklung ist die Farbe Grün. Sie ist durch die Pflanzen, die uns in der Entwicklung begleiten lange wohl die wichtigste gewesen. So können wir bis heute mit unseren Augen viel mehr Nuancen in diesem Bereich unterscheiden, als in anderen. Grün beruhigt uns und ist bis heute mit den vielen Topfpflanzen in Büros und Wohnungen, aber auch unserem Wohlbefinden im Wald und in der Natur verbunden und zu erklären. So haben wir weniger Streß und mehr Genesung, wenn wir durch Parks gehen.

 


Rot

Rot ist die zweiten Farbe, die wir neben Blau als Rezeptoren in unserem Auge haben und damit ist es zu vergleichen zu unseren heutigen Bildschirmen. Aus Rot, Grün und Blau (RGB) lassen sich alle Lichtfarben erstellen (Subtraktive Farbmischung). Wenn man Rot, Grün und Blau mischt, kommt Weiß heraus. Mischen wir jeweils Anteile daraus, können wir hiermit alle Farben erkennen.

Wir kennen natürlich die Menschen, die eine Rot-Grün-Schwäche haben. Hier wirkt die Farbe nicht und es gibt in der Wahrnehmung wenig Möglichkeit dies zu unterscheiden. Der Kontrast der Farben ist zu gering. Im Auge gibt es nur grüne und blaue Rezeptoren. Alle Farben, die mit einem roten Anteil entstehen, können also nicht erkannt werden. Folglich gibt es hier also auch keine Entstehung von Weiß, sondern ein helles Türkis. Viele Säugetiere haben diese Farbenblindheit.

Nur wenige Säugetiere sind im laufe der Zeit zusätzlich mit den roten Rezeptoren ausgestattet worden. Doch sollte man das wohl als „Farbenblinder“, dies betrifft fast 10% der Männer, entspannt nehmen, schließlich fehlt denen, die alle drei Farben sehen können, auch weitere Möglichkeiten für andere Bereiche wie beispielsweise Infrarot oder Ultraviolett. Es ist eine Art Rückentwicklung der Natur, weil vor allem Frauen nach Nahrung und Früchten Ausschau hielten.

Rot wurde wohl von Pflanzen entwickelt, um Tiere dazu zu bringen ihre süßen, nahrhaften Früchte mit ihren Samen an neue Plätze zu bringen. So konnten die Tiere von Weitem erkennen, ob es sich lohnt den Weg auf sich zu nehmen. Es war also schon da eine Kommunikation zwischen Tier und Pflanze. Rot ist also eine Leitfarbe, die uns bis heute ermöglicht reif von unreif zu unterscheiden und roh von gegart.
Ein anderer Aspekt von Rot ist aber auch verbunden mit Attraktivität. Wir laufen rot an, wenn wir uns schämen oder umworben werden. Die Lippen werden mehr durchblutet und die Haut wirkt rosa. Diese anziehenden Punkte unterschreiben wir mit Lippenstift und Rouge. Doch nehmen wir zu viel Rot, schlägt es um. Jeder sieht hin, aber keiner sucht die Nähe, denn wir verbinden es mit Feuer, Blut und Gefahr. Unsere Ampeln, Warnknöpfe und Co. sind bis heute Rot. Bahnschranken und Stopschilder sind mit Signalfarbe deutlich gekennzeichnet. Sie ist das Zeichen des Lebens.


Blau 

Unser „Blauer Planet“ ist so besonders, dass er mit diesem Farbton zu spielen scheint. Er ist scheinbar unerreichbar. Der Himmel und das Meer erscheinen uns Blau, doch kommt man näher, ist beides durchsichtig. Nur durch die Entfernung wirkt es so und doch ist sie die Lieblingsfarbe der meisten Menschen.

Rothiesholm Sand, Stronsay

Erst 8.000 v. Chr. wird Blau im Hindukusch entdeckt. Es ist „der Himmelsblaue Stein“ Lapislazuli. Es ist ein Blau, wie man sonst nur den schönsten Himmel kennt. Zuvor kannte man diese Farbe nicht auf der Erde. Er war so besonders, dass man ihn nur in besonderer Verwendung sah – bei königlichem Schmuck. Die Pharaonen erhielten ihn in und so kennt man bis heute die Skarabäen, die Totenmaske des Tutanchamuns und andere wertvollste Kreationen aus diesem Kulturkreis.

Dieses Blau durchwandert mit der Zeit viele Herzen und es entstehen Vorläufer der Seidenstraße durch diesen Stein mit dieser außergewöhnlichen Farbe. Erst durch die Metallverarbeitung entwickelt sich nach und nach jeweils eigene Blautöne durch eigene Zutaten in den einzelnen Regionen der Welt, doch immer werden sie für besonderen Bauwerke oder Persönlichkeiten eingesetzt. Es ist eine göttliche Farbe.

Wir verbinden mit Blau in erster Linie Vertrauen und Treue – heute sind die meisten Anzüge blau, selbst bei Bewerbungsgesprächen empfehlen viele ein blaues Hemd zu tragen.

Diese Farbwirkung machen sich aber auch viele Marken zu Nutze und lassen sich selbst Pantonefarben schützen, selbst SozialMedia macht es sich zu eigen. (Versicherungen, Körperpflegeprodukte, Banken, Mobilitätsmarken)

In Zeiten, in denen nicht jeder Lesen und Schreiben konnte, wurde Farbe als Botschaft eingesetzt. Dies war bereits auf den großen Monumenten der Ägypter zu sehen, die früher knapp bunt waren, aber auch in unseren Kirchen im Mittelalter waren die Figuren deswegen bunt, damit jeder verstehen konnte, wer da zu sehen war und jeder verstand diese Sprache. Bis heute ist Maria meist mit einem blauen Umhang an der Krippe oder in kirchlichen Darstellungen zu sehen.


Gelb

„Backe, backe Kuchen, der Bäcker hat gerufen. Wer will guten Kuchen backen, der muss haben sieben Sachen. Eier und Schmalz, Zucker und Salz, Milch und Mehl, Safran macht den Kuchen gehl! Schieb in den Ofen rein!“

– Dieses Kinderlied kennen wir wohl alle noch. Safran-Gelb war die Möglichkeit das leuchtende Gelb der Sonne dauerhaft festzuhalten. So wird eine kleine lila Blüte zum Hersteller von Sonnengelb. Der Safran-Krokus stammt aus dem Atlasgebirge und wird von Hand zerlegt. Einzig aus dem roten Faden der Mitte gewinnt man „Crocin“.


Purpur

Im alten Rom hatte man etwas ganz besonderes entdeckt – eine Schnecke aus dem Mittelmeer, die von tiefem Rot über kräftiges Bordeaux bis Violett eine große Bandbreite an Farben ermöglichte. Diese war lange Zeit einer der wertvollsten Farben. Tausende von Tieren wurden für eine einzige Toga gebraucht und so wurde diese Farbe als erste bekannte Farbe geschützt. Cäsar war wohl der erste, der sich eine Farbe schützen ließ und die Missachtung mit dem Tode bestrafte. So wurde dieser rot-lila-Ton bis heute zur markantesten Farbe und wird bis heute in Königshäusern, von Papst und Würdenträgern, meist in Mantel- oder Umhangform genutzt.

 


Farben sind heute so wichtig wie von Beginn an. Sie ordnen unsere Welt in Wege und Schranken und übermitteln uns Botschaften. Welche Farben wir heute in Kleidung, wie im Unternehmerischen Tun einsetzen ist also nicht egal, sondern gibt eine erste Aussage, die direkt ankommt.

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